Mitarbeiter und Automatisierung

Ich bin auf ein kleines Tool gestoßen, das die britische BBC ins Netz gestellt hat. Gibt man dort seinen Beruf ein, bekommt man eine Einschätzung des persönlichen automation risk, also des Risikos, innerhalb der nächsten zwanzig Jahre von einem Roboter abgelöst zu werden: „Will a robot take your job?“

Das Automatisierungskarrussell rotiert

Die Informationen beruhen auf einer Studie der Uni Oxford aus dem Jahr 2013. Doch viele der Einschätzungen wirken schon jetzt überholt. Finanzanalysten, Texter oder auch Altenpfleger beispielsweise sind dem BBC-Job-Orakel zufolge einigermaßen sicher davor, demnächst ausgemustert zu werden. Heute, wenige Jahre später, lauten Einschätzungen zum sogenannten „technological unemployment“ ganz anders. Das Verfassen von Blog-Postings über Fußball, Wellness oder Backrezepte, das Waschen von bettlägerigen Patienten, das Erstellen von Analysen  dazu, wie der DAX von den Konjunkturdaten beeinflusst wird –  das alles sind Tätigkeiten, deren Automatisierung schon jetzt technisch möglich ist. (Belege: erstens, zweitens, drittens, viertens, … )

Eine McKinsey-Studie vom Juli dieses Jahres gibt nur noch ganz wenigen menschlichen Arbeitskräften eine sichere Prognose: Zwar werden nicht alle Jobs allüberall wegfallen. Doch fast überall wird sich die Art und Weise des Arbeitens von Grund auf ändern.

New way of working 2.0

Und damit sind wir bei den zentralen Punkten des automation risk: Was bedeutet das für meine Branche, was für mein Unternehmen in Bezug auf Wertschöpfungstiefe, Prozesse und Organisation? Wie wird der „new way of working 2.0“ gestaltet?

Wer sich mit strategischer Karriereplanung für sich und die Mitarbeiter auseinandersetzt, Kompetenz- und Laufbahnmodelle antizipiert, der muss genau hinschauen, was sich da tut. Das Risiko, dass Tätigkeiten ganz wegfallen, ist dabei nur ein Aspekt. Viel wichtiger erscheint mir, die indirekten Folgen von Automatisierung abzuschätzen.

Es gilt, das neue Prozess- und Organisationsdesign zu erkennen. Nicht automatisierbare Eigenschaften werden darin als Anforderung an Menschen deutlich an Gewicht gewinnen:  z.B. Verantwortung, Kreativität, Flexibilität, und das gesamte Erfahrungs- bzw. implizite Wissen.

Die Personalentwicklung steht damit jetzt vor einer großen Herausforderung – und einer großen Chance: den Wandel der Anforderungen an die Mitarbeiter mit jedem Einzelnen zusammen anzugehen und dabei vorausschauend, strukturiert und für den Mitarbeiter im Verhalten nachvollziehbar zu agieren.

Immerhin bleibt diese Erkenntnis: Personalmanagement und -entwicklung gehören mit einem 9-prozentigen Automatisierungsrisiko laut McKinsey zu den sichersten Berufstätigkeiten überhaupt.

 

 

1 Kommentar

  1. So what?

    Die Erfindung des Automobils hat den Kutscher überflüssig werden lassen, der Mähdrescher hat den Schnitter beerdigt und seit es den Teiegraphen gibt, brauchen wir keine reitenden Boten mehr.

    Hat dieser Fortschritt deshalb alle Menschen arbeitslos gemacht?

    Oder arbeiten wir heute nicht etwa in weitaus wertschöpfenderen Berufen?

    Wir sollten, auch heute, keine Angst vor dem Fortschritt haben, auch nicht vor dem digitalen Fortschritt.

    Und wir sollten keine Ängste dazu schüren, sondern uns stattdessen viel mehr mit seinen Chancen beschäftigen.

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