Mittleres Management, kluge Führung und die Kunst des Spagats

Das mittlere Management ist bekanntlich eine Position mit Tücken, eingespannt zwischen den Mitarbeitern auf der einen und der Leitungsebene auf der anderen Seiten. Eine neue Studie der Unternehmensberatung Hay Group sieht das Hauptübel in fehlender Kommunikation von oben: Das Top-Level-Management müsse die  „Mittelschicht“ im Unternehmen konsequent in strategische Richtungsentscheidungen einweihen und dadurch mitnehmen.

Ein schönes Beispiel für eine von zwei verbreiteten Denkschulen:

  • Die Analyse der Hay Group folgt einer recht verbreiteten Top-down-Perspektive: Unternehmensvision und den Unternehmensziele schweben über allem; von dort schweift der Blick des Analysten über die Bereichs- und Abteilungsziele bis hinunter zu Benchmarks für Teams und Mitarbeiter.
    Dabei liegt der Akzent klar auf Aspekten wie Kohärenz und Kennzahlen, denn es geht um das Erfüllen von Vorgaben. Mitarbeiter mit Personalverantwortung sind vor allem Manager.
  • Häufig treffe ich aber auch die quasi komplementäre „Bottom up“-Sicht. Sie schaut eher auf Freiheitsgrade und Gestaltungsspielräume, sowohl bei der individuellen Arbeit wie bei Team- und Bereichsaufgaben. Typischerweise geht es um das Gestalten von Lösungen und das Ausprobieren von Konzepten. Die Umsetzer sind so betrachtet eher Erfüller von Aufgaben und die Leader ihres Teams oder der Abteilung.

Markante Beispiele findet man jeweils  in den USA: Einerseits die extreme Kennzahlensteuerung einiger Dow-Jones-Konzerne, am anderen Ende der Skala das im Silicon Valley populäre „entrapreneurship“-Konzept, das die Mitarbeiter zu „Unternehmern im Unternehmen“ macht.

Und was ist davon nun richtig? Beides!

Natürlich ist es alles andere als trivial, diese zwei Ansätze unter einen Hut zu bekommen.  Dreh- und Wendepunkt ist dafür wieder einmal der individuelle Mitarbeiter. Er oder sie muss die Motivation zur Umsetzung der Unternehmensvision entwickeln und gleichzeitig lernen, dabei die eigene Kreativität zu nutzen. Wer in die einzelnen Menschen und ihre Unterstützung investiert, ist auf einem guten Weg, das „Top-down-Bottom-up“-Dilemma zu lösen.

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